Kapitel 1
Das
Lagerfeuer brannte Löcher in meine Haut. Zumindest fühlte es sich so an. Es
fühlte sich ganz genau so an. Das Feuer brannte sich durch, bis zu meinem Herz.
Ich wünschte es hätte wenigstens meine Schuld aus mir heraus gebrannt, einfach
gelöscht. Dann hätte ich wenigstens EINE Sorge weniger gehabt. Doch so hatte
ich quasi die ganze Hölle in mir drin. Wie sich herausstellte, könnte man Feuer
jedoch nicht mit Feuer löschen. Und so blieb ich einfach sitzen, ganz nah am
Lagerfeuer.
Ich
schaute in die Flammen, wie sie sich bewegten, wie sie das Holz langsam schwarz
färbten und die Plastikbecher, vor kurzem noch gefüllt mit Alkohol, um alles
für eine Nacht zu vergessen, einfach verschwinden ließen. Es brauchte nicht
mehr als 10, höchstens 15 Sekunden, bis sich die Plastikbecher ins Nichts
auflösten. Nach und nach krümmten sie sich zusammen, als wären sie ein Stück
Papier, das man zusammenknüllte. Doch sie krümmten sich ins Nichts. Sie gingen
als Rauch. Und mit ihnen auch die Blende vor dem, was man doch so verzweifelt
versucht hatte mit deren ehemaligen Inhalt zu vergessen.
Und
so kam alles zurück… Der Sommer, in dem ich mich knallhart und Hals über Kopf
in einen Jungen, 5 Jahre älter als ich, verliebt habe. Ich war darüber hinweg,
darum ging es gar nicht, doch ich fühlte mich immer noch in einer gewissen
Weise schuldig, ich kann nicht genau sagen warum. Vielleicht, weil er einfach
so viel älter war. Ich hatte es eine Zeit lang verschwiegen, dass ich Gefühle
für ihn, Erik, hatte. Irgendwann jedoch brach es aus mir heraus, es wollte
frei, es wollte ausgesprochen werden. Das Problem an dem Aussprechen ist, dass
es erst dann wirklich real wird. Solange sich etwas nur im eigenen Kopf
abspielt kann man es verdrängen, verleugnen, es überspielen, doch sobald es den
eigenen Körper verlässt ist es wirklich. Es war nicht leicht, damit zu leben,
weder davor, noch nachdem es gesagt war. Es war alles andere als das. Es war,
so glaubte ich, die schwerste Liebe, die ich jemals zu überwältigen versucht
hatte. Und zu meiner Verwunderung sogar mit später erwartetem Erfolg. Ich war
mir nicht sicher, aber ich war fast davon überzeugt, dass es an der totalen
Konfrontation lag, die ich in der Zeit damit hatte. Damit meinte ich, dass ich
Erik in der Zeit der Verarbeitung fast jedes Wochenende, manchmal zusätzlich
noch unter der Woche, gesehen hatte. Abends, beim Feiern und sonst manchmal. Es
war krass und manchmal forderte es von mir, meine Trauer vollständig zu
verdrängen, zu verleugnen, zu überspielen.
Und
so gelang es mir schließlich doch, Erik nicht mehr zu lieben, sondern ihn als
guten Freund zurück zu gewinnen. Und er war es wirklich. Er konnte vergessen,
was ich mal für ihn empfunden hatte und ich konnte es auch. Ich war ihm dankbar
dafür, denn es war nicht selbstverständlich, ein 5 Jahre jüngeres Mädchen
wieder als Freundin sehen zu können, das einen selbst mal geliebt hatte.
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