Dienstag, 11. Februar 2014

Lagerfeuerliebe Kapitel 1.1


Kapitel 1

 

Das Lagerfeuer brannte Löcher in meine Haut. Zumindest fühlte es sich so an. Es fühlte sich ganz genau so an. Das Feuer brannte sich durch, bis zu meinem Herz. Ich wünschte es hätte wenigstens meine Schuld aus mir heraus gebrannt, einfach gelöscht. Dann hätte ich wenigstens EINE Sorge weniger gehabt. Doch so hatte ich quasi die ganze Hölle in mir drin. Wie sich herausstellte, könnte man Feuer jedoch nicht mit Feuer löschen. Und so blieb ich einfach sitzen, ganz nah am Lagerfeuer.

Ich schaute in die Flammen, wie sie sich bewegten, wie sie das Holz langsam schwarz färbten und die Plastikbecher, vor kurzem noch gefüllt mit Alkohol, um alles für eine Nacht zu vergessen, einfach verschwinden ließen. Es brauchte nicht mehr als 10, höchstens 15 Sekunden, bis sich die Plastikbecher ins Nichts auflösten. Nach und nach krümmten sie sich zusammen, als wären sie ein Stück Papier, das man zusammenknüllte. Doch sie krümmten sich ins Nichts. Sie gingen als Rauch. Und mit ihnen auch die Blende vor dem, was man doch so verzweifelt versucht hatte mit deren ehemaligen Inhalt zu vergessen.

Und so kam alles zurück… Der Sommer, in dem ich mich knallhart und Hals über Kopf in einen Jungen, 5 Jahre älter als ich, verliebt habe. Ich war darüber hinweg, darum ging es gar nicht, doch ich fühlte mich immer noch in einer gewissen Weise schuldig, ich kann nicht genau sagen warum. Vielleicht, weil er einfach so viel älter war. Ich hatte es eine Zeit lang verschwiegen, dass ich Gefühle für ihn, Erik, hatte. Irgendwann jedoch brach es aus mir heraus, es wollte frei, es wollte ausgesprochen werden. Das Problem an dem Aussprechen ist, dass es erst dann wirklich real wird. Solange sich etwas nur im eigenen Kopf abspielt kann man es verdrängen, verleugnen, es überspielen, doch sobald es den eigenen Körper verlässt ist es wirklich. Es war nicht leicht, damit zu leben, weder davor, noch nachdem es gesagt war. Es war alles andere als das. Es war, so glaubte ich, die schwerste Liebe, die ich jemals zu überwältigen versucht hatte. Und zu meiner Verwunderung sogar mit später erwartetem Erfolg. Ich war mir nicht sicher, aber ich war fast davon überzeugt, dass es an der totalen Konfrontation lag, die ich in der Zeit damit hatte. Damit meinte ich, dass ich Erik in der Zeit der Verarbeitung fast jedes Wochenende, manchmal zusätzlich noch unter der Woche, gesehen hatte. Abends, beim Feiern und sonst manchmal. Es war krass und manchmal forderte es von mir, meine Trauer vollständig zu verdrängen, zu verleugnen, zu überspielen.

Und so gelang es mir schließlich doch, Erik nicht mehr zu lieben, sondern ihn als guten Freund zurück zu gewinnen. Und er war es wirklich. Er konnte vergessen, was ich mal für ihn empfunden hatte und ich konnte es auch. Ich war ihm dankbar dafür, denn es war nicht selbstverständlich, ein 5 Jahre jüngeres Mädchen wieder als Freundin sehen zu können, das einen selbst mal geliebt hatte.

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